Sie sind hier: Coaching und Supervision

Ich betrachte Beratung als ein Angebot an Menschen zu berufspezifischen Fragestellungen.
Es dient einer Selbstreflexion, welche im Alltag ohne externe Begleitung oft schwer fällt. Dieses Angebot richtet sich an Menschen, um sie bei ihrer wachsenden Aufgabenvielfalt zu begleiten und ihnen ein neutraler Feedbackgeber zu sein.
Ein wichtiger Ansatz dabei ist, dass der Beratungs- und Begleitungsprozess zwar in erster Linie die berufliche Rolle fokussiert, aber analog die privaten Inhalte nicht außer Acht lässt.

"Auch" aus diesem Grund verzichte ich auf die oft verlangte Differenzierung zwischen (psychodynamischen) Coaching und Supervision, und verwende durchweg den Terminus Beratung.
Eine Erklärung der DGSV finden Sie hier.

Beratung im Kontext Schule



Beratung und Schule tun sich schwer miteinander. Allmählich aber fasst diese Beratungsform (Coaching und Supervision) auch in Schulen Fuß und dort, wo Lehrer/innen Hilfe und Unterstützung erfahren konnten, öffnet sich die Tür einen Spaltbreit mehr für die professionelle Reflektion der eigenen Tätigkeit im spannungsvollen sozialen Feld Schule.

Lehrer/innen empfinden sich oft als Einzelkämpfer/innen und sind bemüht, Schwierigkeiten allein und fehlerfrei zu bewältigen. Ob Unsicherheit, Unzufriedenheit mit sich selbst, Probleme im Umgang mit Schüler/innen oder mit der Schulleitung – mit ihren beruflichen Sorgen bleiben Lehrer/innen häufig allein. Und das sich verändernde Bild des Lehrers bzw. der Lehrerin in der Gesellschaft kratzt überdies am Selbstvertrauen.

In der Reflektion des eigenen Handelns von Lehrer/innen, Schulleitungen und der Schulorganisation im beraterischen Kontext können die zu beratenden Stärkung in ihrer beruflichen Rolle sowie persönliche Entlastung erfahren. Sie kann einen souveränen Umgang mit Disziplinschwierigkeiten oder problematischem Schüler/innenverhalten befördern, ein gutes Zusammenwirken mit Eltern sowie anderen Partner/innen von Schule entwickeln und damit einen wesentlichen Beitrag zu einem guten Schulklima leisten.

Beratungsbedarf ergibt sich insbesondere aus den veränderten Anforderungen und Rollenerwartungen an Lehrkräfte sowie den neuen Aufgaben der Schule. Lehrerinnen und Lehrer sind konfrontiert mit den Auswirkungen eines beschleunigten gesellschaftlichen Wandels, veränderter Sozialisation, zunehmender sozialer und kultureller Heterogenität. Sie sind gefordert, ihre berufliche Rolle im Spannungsfeld unterschiedlicher Erwartungen und Aufgaben zu klären, z. B. zwischen Unterrichten und Erziehen, zwischen fachlichen und pädagogischen Erfordernissen, zwischen Fördern und Fordern. Auf diese Anforderungen werden Lehrerinnen und Lehrer in ihrer Ausbildung i. d. R. bislang nicht vorbereitet.
Von zentraler Bedeutung sind deshalb berufsbegleitende Angebote professioneller Beratung, ergänzt durch Verfahren kollegialer Beratung und Fallbesprechung. Sie dienen nicht nur der individuellen Weiterqualifizierung und Entlastung in schwierigen beruflichen Situationen, sondern sind zugleich eine entscheidende Voraussetzung für Schulentwicklung im Sinne ständiger Qualitätsverbesserung der pädagogischen Arbeit. Zahlreiche Studien zeigen, dass Lehrerinnen und Lehrer, die in Supervisionsgruppen ihre Reflexions- und Wahrnehmungsfähigkeit weiter entwickeln, in ihren Schulen, Studienseminaren, Schulämtern etc. wichtige Impulsgeber/innen und Träger/innen von Veränderungsprozessen sind.

Schule ist ein komplexes System mit vielfältigen, zum Teil widersprüchlichen Aufgaben und Anforderungen. Aus ihnen und ihrem Zusammenspiel ergeben sich Supervisionsanlässe:
• Schule ist nicht nur Bildungseinrichtung, sondern hat einen Erziehungsauftrag. Als Sozialisationsinstanz neben der Familie und nach dem Kindergarten spielt Schule für die Kinder und Jugendlichen über Jahre eine wesentliche und prägende Rolle.
• Lehrer/innen befinden sich in einer ständigen Doppelrolle als Wissensvermittler/innen und Erzieher/innen. Während die Seite der Wissensvermittlung relativ gut in der Ausbildung gelehrt und gelernt wird, bleibt die Seite des Erziehens oft zu sehr im Hintergrund.
• Kinder und Jugendliche erleben ‚ihre‘ Lehrer/innen durchaus als Einheit, während sich Lehrer/innen oftmals als Einzelkämpfer/innen erleben. Teamarbeit im engeren Sinne ist in Schule – auch aufgrund der Arbeitsstrukturen – eher die Seltenheit.
• „Schule in Bewegung“ umschreibt den aktuellen Prozess der Organisationsentwicklung einer tradierten Einrichtung. Neue Wege müssen gegangen, erprobt und ausgewertet werden. Wie jeder Veränderungsprozess macht das Angst und führt zu Verunsicherung bei allen Beteiligten.
Diese Skizze erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, soll aber verständlich machen, dass es kein Tabu ist, wenn sich die Beteiligten für diese schwierige Arbeit Unterstützung und Begleitung eines externen Beraters oder einer Beraterin suchen.